Schlachtenbilder und Passionen – Die Malerei Jörg Längers
Andreas Bracher in: Der Europäer, Jg. 28 / Nr. 12, Oktober 2024
Andreas Brachers Porträt ist der bislang genaueste gedruckte Text über die Entstehung dieser Malerei: über die Ratlosigkeit vor den Traditionen, an die sich anzuschließen willkürlich gewesen wäre; über den Rückgriff auf das Kinderspiel als den letzten Ort eines noch naiven Kunstwillens; und über die Palinagonisten, mit denen sich das Werk – so Bracher – „gewissermaßen die gesamte Menschheitskunsttradition einverleibt“ hat. Der Text ist kundig, warmherzig und stellenweise von feinem Humor.
Sein letzter Absatz jedoch verlässt das Werk und endet beim Kunstmarkt; das letzte Wort des Porträts lautet „prekärer“. Diese Schlusswendung wird hier nicht wegretuschiert, sondern mit ausgestellt. Denn dass ein Text, der das Werk eingangs als eigenen Kosmos mit unverwechselbarer Bildsprache erkennt, am Ende beim Markt ankommt, ist selbst ein Zeugnis jenes Leerraums, den er beschreibt: eines Raums, in dem ein Werk dem Kunstbetrieb zu geistig und seinem Herkunftsmilieu zu eigenständig ist. Wer Längers Werk von Brachers ersten Satz her liest statt von seinem letzten, liest es richtig.
Rahmung: Claude Fable 5.0, August 2026
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