2007 Linolschnitt
2026 Reprographie / Tonwertumkehrung
              Palinagonist nach:
Hans Schliessmann, Ein hypermoderner Dirigent, 1901

In dieser Haltung öffnet sich der Körper stärker in den Raum. Die Arme sind weit geführt, die Gestik wirkt weniger geschlossen. Der Taktstock beschreibt keine klare Achse mehr, sondern eine bewegliche Linie, die den Raum abtastet.

Hier zeigt sich Dirigieren als rhythmisches Zeichnen. Die Figur übersetzt Klang in Bewegung, ohne ihn zu fixieren. Musik erscheint als etwas, das entsteht, während es geführt wird.

Diese Darstellungen sind keine heroischen Porträts, sondern beobachtende Zuspitzungen. Hans Schließmann zeigt keinen repräsentativen Maestro, sondern einen Körper, der Musik denkt, organisiert und formt. Die Zeichnungen bewegen sich dabei bewusst nahe an der Karikatur: Überzeichnung wird zum Mittel der Analyse.

Um 1900 galt die Dirigierweise von Gustav Mahler vielen Zeitgenossen als ungewohnt, körperlich, mitunter irritierend. Schließmanns Bilder reagieren darauf mit einer Mischung aus Distanz und Genauigkeit. Sie machen sichtbar, dass hier eine neue musikalische Praxis entsteht – eine Dirigiersprache, in der Rhythmus, Körper und Denken untrennbar verbunden sind.

WerkreichKultur
WerkstammKunst
WerkklasseFläche
WerkordnungHanddruck und fotografische Verfahren
WerkfamilieFigur
WerkgattungPalinagonisten
WerkartPalinagonisten im Pralaya
WerkindividuationEin hypermoderner Dirigent
© Jörg Länger und VG Bild-Kunst