2007 Linolschnitt
2026 Reprographie / Tonwertumkehrung
              Palinagonist nach:
Raffael, Sixtinische Madonna, 1512, Gemäldegalerie, Dresden

Die Figur der Madonna ist im Originalbild, der Sixtinischen Madonna, in ein fein austariertes Gefüge aus Blicken, Gesten und Gewandbewegungen eingebunden. Der Schritt nach vorn, das leicht gedrehte Becken, das Gewicht des Kindes auf dem Arm erzeugen eine ruhige, tragende Bewegung. Das Verhältnis von Körper und Raum bleibt ausgewogen; nichts drängt, nichts stockt. Die Erscheinung wirkt geschlossen, obwohl sie sich auf den Betrachter hin öffnet.

Das Kind liegt nicht auf, sondern ruht im Arm – schwer und wach zugleich. Sein Gewicht organisiert den gesamten Aufbau: Schultern, Hüfte und Stand reagieren auf diese Last, ohne sie auszustellen. Blick und Haltung öffnen sich nach außen, ohne eine konkrete Beziehung aufzunehmen.

Diese Geschlossenheit bildet den Ausgangspunkt für die palinagonistische Arbeit. Die Transformation setzt nicht bei der Bedeutung an, sondern bei der Form. Raum, Umgebung und erzählerische Staffelung treten zurück, während Haltung, Gewicht und Umriss konzentriert werden. Die Figur wird aus dem malerischen Zusammenhang gelöst und auf ihre tragenden Linien hin verdichtet.

In der Freistellung erscheint die Madonna als zusammenhängender Schattenriss. Gewand, Körper und Kind verschränken sich zu einer einzigen, ruhigen Kontur. Bewegung wird nicht aufgehoben, sondern gebunden; der Schritt bleibt lesbar, verliert jedoch jede Richtung. Das Tragen des Kindes organisiert die Figur von innen heraus und stabilisiert ihre Form.

So entsteht eine Erscheinung, die sich durch Gleichmaß und innere Statik behauptet. Die ikonische Vertrautheit bleibt spürbar, ohne den Blick zu lenken. Entscheidend ist die formale Ruhe: eine Figur, die aus Haltung und Gewicht heraus besteht und sich als geschlossene Präsenz im Raum hält.

WerkreichKultur
WerkstammKunst
WerkklasseFläche
WerkordnungHanddruck und fotografische Verfahren
WerkfamilieFigur
WerkgattungPalinagonisten
WerkartPalinagonisten im Pralaya
WerkindividuationSixtinische Madonna
© Jörg Länger und VG Bild-Kunst